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Medical Board Nephrologie
Diagnostische und therapeutische Standards



 Therapie - IgA Nephropathie

Autor: Schröder M,  Pommer W      letzte Aktualisierung: 15.08.03


I
nhaltsübersicht

1. Therapieempfehlung
1.1 Nikotinkarenz
1.2 ACE- Hemmer und/oder AT II-Antagonisten
1.3 Corticosteroide (Evidenz Grad A, Level 1,2,3)
1.4 Fischöl (Evidenz Grad A, Level1)
1.5 Kombinierte immunsuppressive Therapie (Evidenz Grad B,C)
1.6 Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer
1.7 Patienten mit intermittierender Makrohämaturie
2. Wiederauftreten der Erkrankung im Transplantat 




1. Therapieempfehlungen / Supportive Massnahmen


1.1 Nikotinkarenz

Rauchen erhöht dosisabhängig insbesondere bei Männern das Risiko, eine Niereninsuffizienz zu entwickeln.

Orth et al, Kidney Int 1998; 54: 926-931

Übergewicht vermeiden!
Übergewicht ist unabhängiger Risikofaktor und verbunden mit signifikantem Anstieg der Wahrscheinlichkeit  einer folgenden Progression der Niereninsuffizienz.

Bonnet et al, Am J Kidney Dis 2001; 37:720-7

Moderate Proteinrestriktion scheint gewisse Vorteile bei Patienten mit fortschreitender Nierenfunktionseinschränkung zu haben.



1.2 ACE- Hemmer und/oder AT II-Antagonisten 

zur aggressiven Behandlung der Proteinurie (Ziel 40- 50 % Reduktion), des Bluthochdrucks (Zielwert < 140/90 mmHg) und der Vermeidung einer linksventrikulären Hypertrophie mit folgender diastolischer Funktionsstörung.

ACE- Hemmer
Nachgewiesen ist der Rückgang der Proteinurie in drei randomisierten Studien (u.a. Perico et al, J Am Soc Nephrol 1998; 9: 2308-2317) und einer grossen retrospektiven Cohortenstudie

Cattran et al, Am J Kidney Dis 1994; 23: 247-254

Nachweis der Progressionsverzögerung dieser Therapie steht für die IgAN noch aus und ist nur im Analogieschluss möglich 

Jafar et al, Kidney Int 2001; 60: 1131-40

Kombination von ACE- Hemmern und AT1- Antagonisten hat evt. Vorteile, da ACE- Hemmer allein die Angiotensinogen- II- Produktion nicht komplett unterbinden. Kombinationstherapie mit 10 mg Enalapril/ Tag und 50 mg Losartan/ Tag steigert den antiproteinurischen Effekt.

Russo et al, Am J Kidney Dis 1999; 33:851-6 



1.3
Corticosteroide (Evidenz Grad A, Level 1,2,3)

indiziert bei Erwachsenen mit persistierenderProteinurie > 1g/ 24h trotz ACE- Hemmer- Therapie  und Crea- Clearance > 70 ml/ min.

Prednisolon 1 mg/ kgKG/ Tag, über 3- 6 Monate reduzieren auf 30- 40 mg Prednison jeden 2. Tag ( Therapiedauer bis zu 12 Monaten oder auch länger ) 

oder

1000mg Methylprednisolon i.v. an drei aufeinander folgenden Tagen am Beginn der Monate 1, 3, 5, kombiniert mit 0,5 mg/ kgKG Prednisolon p.o. jeden zweiten Tag für sechs Monate     

Pozzi et al, Lancet 1999, 13; 353:883-7

Verminderung der Proteinurie und Verlangsamung der Progressionshemmung der Niereninsuffizienz waren statistisch hoch signifikant ohne nennenswerte Nebenwirkungen.



1.4 Fischöl (Evidenz Grad A, Level1)  

Patienten mit Verschlechterung der Nierenfunktion unter Therapie mit ACE- Hemmern scheinen durch eine Langzeittherapie (2 Jahre oder länger) mit niedrig dosiertem Fischöl (1,88g EPA + 1,47g DHA) seltener eine terminale Niereninsuffizienz zu entwickeln. Dies scheint insbesondere für Patienten mit einem Serumkreatinin zwischen 1,5 und 3 mg/dl zu gelten.

Donadio et al, J Am Soc Nephrol. 1999; 10:1772-7

Nach Metaanalyse der vorliegenden Fischölstudien (Dillon, JASN, 1997) ist das Ausmass des Benefits jedoch umstritten.



1.5 Kombinierte immunsuppressive Therapie (Evidenz Grad B,C)  

mit  Mycophenolat Mofetil, intravenöser Gabe von Immunglobulinen, oder Therapie mit Cyclophosphamid, Azathioprin und Steroidpulstherapie analog zur Therapie der nekrotisierenden Glomerulonephritis anderer Genese nur für „Hochrisiko“- Patienten mit progressivem Verlauf.(Serumkreatinin 1,5- 3mg/dl). Plasmapherese kontrovers.



1.6 Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer

haben ebenfalls keine evidenzbasierte Empfehlung zur Therapie.

Eine kleine Studie ( Lee et al ,1997) zeigt einen Vorteil für Dipyridamol (75 mg p.o./Tag) und Warfarin (INR 1,3 bis 1,5) im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Behandlung.



1.7 Patienten mit intermittierender Makrohämaturie 

kann neben guter Hydratation, wenn einem Anfall  mit Makrohämaturie rezidivierende Tonsillitiden vorausgehen,  eine Tonsillektomie sinnvoll sein.

Nolin et al, Kidney Int Suppl 70 1999 : 56-62








2. Wiederauftreten der Erkrankung im Transplantat


Immunhistochemisch in 50- 70%, in ca. 10% mit Konsequenz des Transplantatverlustes. Das Ergebnis ist bei Lebendspende identisch im Vergleich zur Kadavernierentransplantation, so dass  die Lebendspende nicht ausgeschlossen werden muss. Das Transplantatversagen ist insgesamt nicht höher als im Durchschnitt aller Nierentransplantationen. Ob Transplantierte mit IgAN von dem Einsatz von MMF besonders profitieren, wird z.Z. diskutiert.

Ponticelli et al, Kidney Int 2001; 60:1948-54





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